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„It gets better? – Ätt git besser!“ Antimobbing Event Brunnenhof Trier
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Interviews mit vier Mobbing –Opfern ( Trier, 18. Juli 2012)

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  1. Christiane ,  18 J

Die ersten Mobbing Erlebnisse hatte ich bereits im Kindergarten. (…)
In der Schule wurde ich gemobbt, weil ich hilfsbereit war und für jeden in der Klasse da war.

Wenn es dann mal um meine Meinung ging, oder um meine Gefühle,  hieß es immer: „die will doch eh nur im Mittelpunkt stehen“. Ich habe trotzdem meine Meinung gesagt.

Besonders unsere Vertrauenslehrern, Frau K. kam mit ihrem Unterricht nicht mehr hinterher  da ich in der 7. Klasse in jeder dritten Stunde weinend da saß, weil man sich mal wieder von mir abgewendet hatte. (..) Nur um akzeptiert zu werden,  um dazuzugehören hab ich mit Drogen und Alkohol experimentiert. Manche Narben sieht man heute noch.

Weil es mir sehr wichtig war, was andere über mich denken, kam es dann im letzten Schuljahr zum Höhepunkt meiner Mobbing Opfer Karriere.

Meine damalige beste Freundin, die ich jetzt immer noch total vermisse, hatte auf dem Sportfest behauptet, ich hätte bei ihren damaligen Freund angerufen und mit ihm geflirtet. Eine andere Freundin, so erzählte man mir, die ich seit der Krabbelgruppe kenne,  hatte anderen  gesagt, dass sie mir dies zutrauen könnte. Das war letztendlich zu viel für mich. Das Sportfest war zum Glück fast zu Ende, ich rannte wütend auf meine  Kindheitsfreundin zu und schlug sie vor der Klasse, und vor  der gesamten Schule. Danach verließ  ich das Stadium  und rannte wütend davon. Am nächsten Tag kamen alle auf mich zu und beschimpften mich. Ich sagte nichts um schlimmeres zu vermeiden. Nur bei  den Lehrern blieb meine Sicht der Dinge nicht verschont.  Leider blieb es nicht nur bei den Schulstunden sondern erweiterte sich nachmittags auf das Internet.

Internet. Es gab Drohungen, mich auf mich einzuprügeln Wobei ich nur eine Backpfeife ausgeteilt  hatte. Natürlich hatte man nicht mehr den Mumm mir dies ins Gesicht zu sagen. Durch diese Zeit habe ich erfahren,  wer meine wahren Freunde sind. Die trotz meines Fehlers an meiner Seite standen.

Sie gingen mit mir zum Schuldirektor  mit einem Ausdruck der Facebook- Unterhaltung. Doch anstatt die Täter anzuzeigen und zu  bestrafen musste ich einen Nachmittag mit dem Hausmeister im Garten verbringen, weil man kurz vor dem Abschluss niemanden mehr von der Schule verweisen wollte. Oder wollte. Werder  mich, noch die anderen. Heute  is t von meinen Freunden leider nur noch wenig och wenig übrig. Heute
Ich sage nichts mehr somit bin ich für manche durchsichtig.

Jeder Mensch braucht Freunde, doch Mobbing zerstört das Grundvertrauen in Menschen um derartiges aufbauen zu können.

Hast  du mit jemandem darüber gesprochen, Rat gesucht: zum Teil bei den Lehrern. Ich hatte ein paar wenige Freunde und d a Zuhause auch viele Probleme, wollte sie nicht zusätzlich belasten-

Was half dir:
Ich habe viel Sport gemacht, das half und Musik hilft mir auch.
Du bist sehr religiös aufgewachsen, hat dir dies geholfen. Nein, gar nicht.

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2. Mein Name ist Katja, 28 J
Willst du uns erzählen von wem du gemobbt wurdest

Ich wurde hauptsächlich von meinen Klassenkameraden in der Schule gemobbt. Eigentlich hat es meine komplette Schulzeit begleitet. Ich war immer eine  Außenseiterin, weil ich mit jemandem befreundet war,  die vielleicht anders war,  als die anderen. Ich fand sie einfach nett. Sie war Klassenbeste. Niemand in der Klasse mochte sie so wirklich. Weil ich mich mit ihr angefreundet habe, wollte niemand mehr etwas mit mir zu tun haben. Wenn ich versuchte, zu den anderen zu  gehören,  ging das nur, wenn ich „die andere“ links liegen ließ. Doch das konnte ich nicht, weil sie mir einfach leid tat. Sie war so allein. Ich habe mich dann wieder mit ihr angefreundet und wurde ab dann von der Klasse mehr oder weniger links liegen gelassen. Teilweise hat die ganze Klasse mich auch nachgeäfft, wenn ich etwas sprach. Immer und immer wieder. Das  war kein schönes Gefühl und hat sehr an meinem Selbstvertrauen gekratzt.

Das Schlimmste für mich war, dass diese besagte Freundin nach der Schulzeit den Kontakt zu mir  komplett abgebrochen hat. Damals habe ich das nicht verstanden. Dann war ich plötzlich ganz alleine. (weint) -

Weißt du wieso sie dies tat?
Ich glaube, es wurde erzählt, ich hätte irgendetwas gesagt über sie. Aber was genau das war, weiß ich bis heute nicht. Sie hatte dann auch einen Freund gehabt und sich von mir abgewandt. Ich war in dieser Zeit sehr  schüchtern und still und habe nie wirklich meine Meinung  gesagt.

Ich hatte meine Ausbildung angefangen und  hatte auf der ganzen Welt niemanden,
Ich war einfach ganz alleine. Sie hatte sich nicht mehr gemeldet. Lies mich einfach stehen.
Jetzt nach Jahren haben wir wieder Kontakt zueinander,  kommen wieder ganz gut miteinander klar. Es ist wirklich ein schlimmes Gefühl, wenn man plötzlich ganz alleine ist.

Seit der Geschichte von damals  kann ich nur schwer vertrauen, denke,  die  Menschen gehen  alle weg, die in mein Leben getreten und  mir wichtig geworden sind.

Was hatte dir damals geholfen?

ich habe damals mit meiner Mama darüber geredet. Sie hat das Ganze nicht wirklich verstanden. Dann hab ich irgendwann gemerkt, dass ich singen kann. Das gab mir dann Kraft. Das hätte nie jemand von mir erwartet. Alle hatten mich nur als Schüchterne, Klassenschleimerin betrachtet. So gab mir die Musik immer Kraft.

Hat dir jemand von den Lehrern geholfen? Gab es von den Lehrern jemand ,der davon wusste, an den du dich wenden konntest?

Grundsätzlich war es ein „offenes Geheimnis“  für die ganze Klasse.
Wir waren für uns und dann gab es noch den Rest der Klasse. Ich habe aber nie etwas zu den Lehrern gesagt. Irgendwann gewöhnt man sich an diesen „Zustand“ und ich hatte ja noch ein oder zwei  Freundinnen.  Es hätte aber sicherlich Lehrer gegeben, an die ich mich hätte wenden können.
Wir waren einfach die Außenseiter der Klasse. (…)

Später gab mir neben der Musik noch das Theaterspielen Kraft. Dort kann ich meine ganzen Emotionen und Gefühl zeigen. Ich hätte nie gedacht, dass ich was kann, was vielleicht nicht jeder kann.

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3. Lieber Leserinnen und Leser!
Liebe Spender!

Am Donnerstag den 14. März 2013 hatten wir unsere letzte Gruppen-Therapie-Sitzung.


Zumindest dachten wir das alle noch bis am Dienstag...

Vielen lieben Dank das Sie dieses Projekt auch weiterhin unterstützen und uns somit die Möglichkeit bieten noch 5 weitere Sitzungen halten zu können.

Mir persönlich geht es danach immer viel besser, denn da wir in einer Gruppe die Therapie halten, bleibt natürlich nicht genügend Zeit auf jedes Thema spezifisch einzugehen.
In der ersten Runde erzählen wir immer was uns in der Zeit beschäftigt hat seit dem wir uns das letzte Mal gesehen hatten.

Daraus bildet sich dann meist von selbst das Thema der Sitzung, denn jeder versteht das Problem des anderen. Viele Sachen die andere momentan beschäftigen sind Dinge mit denen ich mich seit Jahren rumschlage.

Manchmal geht es mir gut und dann denk ich an so Sachen überhaupt nicht in dem Moment. Die anderen haben ähnlich Probleme und somit muss ich nicht an alles denken. Jedes Thema das angesprochen wird, ist auch ein Thema das mich betrifft und das ist gerade das besondere an unserer Runde.

Ich muss nicht zwangsläufig einen Roman erzählen und erklären, denn jeder macht etwas Ähnliches durch wie ich.

Wenn ich mit Freundinnen über solche Probleme geredet habe, kam man schnell wieder auf andere Themen weil „normale“ Menschen nicht wissen wie es einen prägen kann, auch über eine solch lange Zeitspanne.

Ich nehme mir jedes Mal  vor nicht zu weinen aber das kommt einfach automatisch, denn es gibt Dinge die bei uns allen seit wir kleine Kinder waren beschäftigen. Leider beeinflussen diese Themen auch unser heutiges Leben, denn die meisten von uns können nicht unterscheiden, wer jetzt gerade „an der Macht“ ist: Ist es die 12 jährige Susanne vor der alle weggelaufen sind oder ist es die 18 Jährige die einen Au Pair Platz in Australien hat und ihren Schulabschluss mit 1,86 gemeistert hat?

Mich beschäftigt vor allem die Frage:
Wer bin ich? Was will ich? Und wie kann ich die Vergangenheit ruhen lassen?
Das werde ich bestimmt nicht in dieser Gruppentherapie herausfinden aber es ist schon mal ein Anfang.
Dass Sie uns diesen Neuanfang ermöglicht haben, dafür danke ich Ihnen nochmals von Herzen!

Liebe Grüße
Susanne *

(*Name von der Redaktion geändert)